Lagom geht auch im Garten

Ist es tatsächlich erst Ende April? Da haben wir aber doch schon wieder eine Jahreszeit übersprungen. Wenn man auf das Thermometer blickt könnte man das fast annehmen. 28 Grad!!! Die Natur ist nahezu explosionsartig aufgeblüht, irgendwie alles zur gleichen Zeit.

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Ich habe ja seit vielen Jahren so ein morgendliches Ritual. Sobald die Temperaturen morgens über 5 Grad steigen gehe ich direkt nach dem Aufstehen, gemeinsam mit meinem Hund, in den Garten und sehe nach, wo was Neues aus der Erde sprießt. Das hat zum Vorteil, dass ich danach hellwach bin, vor allem wenn die Temperaturen noch knackig kühl sind, und immer auf dem Laufenden bin, was in welcher Ecke des Gartens in Kürze blühen wird. Abends, wenn ich dann nach der Arbeit wieder meine Gartenrunde drehe, sieht es oft schon wieder ganz anders aus. Die Tulpen, die morgens noch ganz geschlossen waren, haben ihre Kelche in der Frühlingssonne weit geöffnet und die Knospen an der Forsythie sind dann auch schon aufgesprungen.

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Dieses Jahr aber habe ich das Gefühl man könnte den Pflanzen beim Wachsen zusehen. Ich bin fast nicht mit dem Fotografieren nachgekommen. Dabei fotografiere ich gerade den Garten so gerne.

Mein Garten ist übrigens, wie könnte es auch anders sein, lagom. Er ist nicht allzu groß, aber groß genug um ihn ein wenig räumlich zu gliedern. An der sonnigsten Stelle im Garten haben wir ein Blumenbeet angelegt. Hier teilen sich Frühjahrsblüher mit mehrjährigen Stauden und Englischen Rosen und Pfingstrosen den Platz. Auch das ein oder andere Unkraut darf bei mir wachsen. Schließlich sind viele dieser Unkräuter gerade im Frühling eine wichtige Nahrungsquelle für Bienen und so bleiben Löwenzahn und Gundelrebe in meinem Garten stehen.

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Da unser Grundstück ost/west ausgerichtet ist haben wir auf der einen Seite jede Menge Sonne aber auf der Nordseite dafür auch jede Menge Schatten und da glücklicherweise feuchten Schatten. An dieser Nordseite des Grundstücks steht ein sehr alter Hühnerstall, den wir als Brennholzlager nutzen und an dessen alter Mauer wächst alles was mein nordisches Herz höher schlagen lässt. Hier ist der ideale Platz für Farne, Moos, Bärlauch und Waldmeister.

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Und was darf im Garten eines Nordlichts auf keinen Fall fehlen? Natürlich Birken! Ich liebe diese Bäume. Kein anderer Baum strahlt für mich so viel Leichtigkeit und Eleganz aus wie die Birke. Und obwohl sie zu jeder Jahreszeit wunderschön aussieht, mag ich sie im Frühling, wenn die jungen hellgrünen Blätter austreiben am liebsten.

Lövsprickning nennen die Schweden diese Zeit im Jahr, wenn die Blattknospen der Bäume aufspringen und das erste zarte Grün zu sehen ist.

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Ich mag es mir im Garten gemütliche Ecken einzurichten. Ein bequemer Sessel, ein Hocker der als Tischchen dient und ein paar Blumen und duftende Kräuter – mehr brauche ich nicht.

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Dieses Jahr habe ich meine Wohlfühlecke ganz hinten im Garten eingerichtet. Dort wo die Birkenscheite für den Winter lagern. Von dort aus habe ich einen wunderbaren Blick auf meine geliebten Birken, unser Schwedenhäuschen und den ganzen Garten. Und da sitze ich dann und plane meine nächsten Projekte. Vielleicht den Platz vorm Schwedenhäuschen doch mit Holzdielen verkleiden? Welche Sommerblumen sollen heuer auf der Terrasse blühen? Dort in meiner Lieblingsecke habe ich einfach die besten Ideen.

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Habt ihr auch so eine Lieblingsecke im Garten oder auf der Terrasse die euch inspiriert? Wo ihr ausspannen könnt oder einfach nur so vor euch hinträumen könnt? Wenn nicht, dann schafft euch so einen Platz und nehmt euch die Zeit dort ein wenig ganz für euch alleine zu sein. Gerade in unserer schnelllebigen und lauten Zeit werden solche Momente immer kostbarer.

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Das war ein kleiner Rundgang durch meinen Lagom-Garten an einem Frühlingstag der sich anfühlt als wäre schon Sommer. Bald werden Tulpen und Bärlauch verblüht sein und den Sommerstauden und Gemüsepflanzen Platz machen. Bis dahin genießt ruhige Momente in der Natur, die zu keiner Jahreszeit so lebendig und frisch ist wie im Frühling. Lasst das ein oder andere Unkraut im Garten ruhig wachsen, ein kurzer Augenblick in Ruhe genossen, ist mehr wert als ein perfekter Rasen.

Ha det bra, Conny

 

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Frühling im Schwedenhäuschen

Und plötzlich ist es Frühling! Habt ihr auch den Eindruck, dass er heuer förmlich über Nacht gekommen ist. Gerade noch lag alles unter einer dicken Schneedecke und nur innerhalb weniger Stunden sind die zauberhaften Eislichter aus meinem letzten Post dahingeschmolzen. Aber traurig bin ich darüber natürlich nicht. Auch ich freue mich selbstverständlich auf den Frühling und ich kann es kaum erwarten meine Finger wieder in die Erde meiner Blumen- und Gemüsebeete zu graben.

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Aber wisst ihr was ich am Frühling am allermeisten liebe? Das frische Grün der jungen Blätter und Sprossen. Zu keiner anderen Jahreszeit gibt es dieses zarte Grün in der Natur.  Kein Wunder also, dass ich diese Farbe auch in mein Schwedenhäuschen geholt habe.

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Das Geschirr habe ich schon voriges Jahr bei meinem schwedischen Lieblingsmöbelhaus entdeckt und war sofort begeistert. Es hat genau die richtige Farbe für den Frühling in meiner Küche und die etwas unregelmäßige Optik lässt meinen es wäre von Hand getöpfert.

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Und noch etwas Grünes gehört für mich unbedingt zum Frühling – frische Kräuter. Was gibt es Köstlicheres als weichgekochte Eier mit frischem Schnittlauch. Noch dazu wenn dieser auf einem schwedischen Brett geschnitten wird. Ja, ihr seht richtig, das Holzbrett ist nicht nur aus Schweden, es hat auch die Form des Landes.

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Die Frühlingsblumen im Haus habe ich in diesem Jahr auch in grün und weiß gehalten. Sie wirken frisch und klar und passen perfekt zu den zarten weißen Häschen die gemeinsam mit den Palmkätzchen und Wachteleiern schon auf das kommende Osterfest  hinweisen.

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Und wie könnte es anders sein, gibt es im Schwedenhäuschen natürlich auch schwedischen Osterschmuck. Påskris – Osterreisig – ist in Schweden der traditionelle Osterschmuck. Dabei wird Birkenreisig zu Buschen gebunden und mit bunten Federn und Ostereiern geschmückt. Bei mir schmückt es heuer gemeinsam mit den schwedischen Worten „Glad Påsk“ (Frohe Ostern) die Eingangstür.

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Auch wenn der Wetterbericht für das kommende Wochenende wieder Temperaturen knapp über Null Grad und Schneefall angesagt hat, es wird bestimmt nicht mehr lange dauern bis das erste frische Grün an Bäumen und Sträuchern zu sprießen beginnt. Bis dahin erfreue ich mich Tag für Tag am zarten Grün in meinem Schwedenhäuschen.

Also, zieht euch für die nächsten Tage nochmal warm an und holt euch mit zarten Farben doch einfach schon ein wenig Frühling ins Haus.

Ha det bra, Conny

 

 

Vinterträdgård – mein Garten im Winter

Es war lange Zeit still hier am Lagom-Blog, bitte verzeiht mir, aber berufliche Veränderungen haben in den letzten Monaten meine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch genommen. Und es wird auch in den kommenden Woche noch sehr turbulent weitergehen. Aber soviel sei verraten: es macht mir großen Spaß, es ist ein lang gehegter Traum von mir, den ich mir gerade verwirkliche und es hat auch ein kleines bisschen mit Schweden zu tun. Mal sehen, vielleicht widme ich der Sache ja irgendwann einmal einen eigenen Post, aber noch ist es zu früh dafür.

Den heutigen Post möchte ich ganz dem herrlichen Winterwetter widmen, dass wir zur Zeit erlebe. Wir haben Ende Februar und nach einem gefühlten 4 Monate andauerndem November ist es nun doch noch endlich Winter geworden. Ich habe mir im Dezember so sehr Schnee und Kälte gewünscht, aber statt dessen gab es monatelang nur Nieselwetter, graue Wolken oder unnatürlich hohe Plusgrade.

Jetzt hat uns eine Kältewelle im Griff, die einem Nordlicht wie mir ein verklärtes Lächeln ins Gesicht zaubert. Bei meiner morgendlichen Runde mit dem Hund knirscht der eisige Schnee unter meinen Schuhen und die frische  Luft vertreibt augenblicklich meine Müdigkeit. Wenn wir dann vom Spaziergang nach hause kommen sind das Einzige, was der Hund am Teppich hinterläßt, eine paar nasse Pfotenabdrücke vom Schnee der im Fell zwischen den Zehen hängengeblieben ist.

Meinen Garten haben Schnee und tiefen Temperaturen nun in eine stille Winterstarre versetzt. Habt Ihr Lust auf einen kurzen Rundgang, bevor die Dämmerung einsetzt? Kommt, wir fangen gleich beim Gewächshaus an.

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Das Dach hat eine dicke Schneehaube und der Frost hat wunderschöne Eisblumen an die Glasscheiben gezaubert. Noch herrscht im Inneren Ruhe, aber in meinem Kopf habe ich schon jede Menge Pläne für die ersten warmen Frühlingstage.  Obwohl ganz ungenutzt ist das Gewächshaus bei mir ja nie. Bei diesen tiefen Temperaturen dient es als Lagerort für Wildvogelfutter. Denn gerade jetz ist es wichtig den Vögeln energiereiches Futter anzubieten. Die Herzform ist mit einem Gemisch aus Fett und Sonnenblumenkörnern gefüllt und liegt zum Aushärten im Schnee. Wenn sie fest ist kommt sie zum Futterplatz und wird bestimmt gerne angenommen.

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Den Eingang zum Gewächshaus schmücken heute selbstgemachte Eislichtern. Die tiefen Temperaturen lassen das Wasser im Moment so schnell gefrieren, da geht die Herstellung dieser Eislichter einfach über Nacht. Und sie sehen wunderschön aus.

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Auch am Haus zieren Eislichter die Gartenregale. Sie geben schönes Licht und sind ein toller Blickfang solange es für Frühlingsblüher noch zu kalt ist.

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Der Teich liegt starr unter einer dicken Eisschicht. Die Molche sind zum Überwintern schon im Herbst aus dem Wasser gekrochen und haben sich unter dem Altholzhaufen oder den großen Steinen am Ufer verkrochen um auf das Frühjahr zu warten.

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Wenn man allerdings ganz genau hinschaut, dann erkennt man da und dort schon die ersten Anzeichen davon, dass der Frühling nicht mehr weit ist. Die Tulpenblätter ragen schon aus dem Schnee und die Rosen zeigen erste winzige Knospenansätze. Auch die Birken am Teichufer haben schon Knospen gebildet.

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Ist es nicht wunderbar, was es an einem so klirrend kalten Wintertag in der Natur alles zu entdecken gibt. Wie schnell doch dabei die Zeit vergangen ist. Mittlerweile ist es schon dunkel geworden und die Eislichter haben nun endgültig ihren ganz großen Auftritt. Und auch wenn sie noch so schön anzusehen sind, allmählich kriecht die Kälte unter meine Kleidung und ich freue mich auf meinen wärmenden Kamin im Schwedenhäuschen.

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Schön, dass ihr mitgekommen seid auf meine winterliche Gartenrunde. Ich bin mir sicher beim nächsten Mal entdecken wir schon die ersten Frühlingsblüher. Bis dahin packt euch warm ein wenn ihr in die Natur geht, dann könnt ihr die winterlichen Schönheiten, die sie für euch bereithält auch entsprechend genießen.

Ha det bra, Conny

Vänskap – Freundschaft

 

Was liegen doch für turbulente Wochen hinter mir. So viele wichtigen, beruflichen Entscheidungen waren zu treffen und noch immer bin ich dabei irgendwie einen Rhythmus in meinen „neuen“ Arbeitsalltag zu bringen. Ich habe lange überlegt ob ich diese Woche überhaupt einen neuen Post schreiben soll. Irgendwie läuft mir Tag für Tag die Zeit davon. Jeder der schon einmal versucht hat unter Druck einen Artikel zu schreiben weiß, daß das nicht leicht ist.

Doch die vergangenen Wochen haben mir einmal mehr gezeigt, was man gemeinsam mit Familie und Freunden bewirken und auf die Beine stellen kann. Wie wichtig es ist Menschen um sich zu haben auf die man sich verlassen kann. Und plötzlich war er doch da, mein Post für diese Woche.

Freundschaft ist für mich neben Familie und Gesundheit das Wichtigste und Wertvollste, das ein Mensch besitzen kann. Gute Freunde sind etwas Kostbares, ja sogar Unbezahlbares für mich. Gerade in den letzten Wochen, in denen mein Leben so eine komplett andere Richtung genommen hat als ich das eigentlich geplant hatte, ist mir wieder bewusst geworden wie reich ich bin. Denn ich habe wirklich sehr gute Freunde.

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„Gute Freunde sind wie Sterne, du siehst sie nicht immer, aber du weißt das sie da sind.“

Ich gehe mit dem Wort Freundschaft sehr vorsichtig um. In Zeiten von Facebook, wo es „virtuell“ schnell mal ein paar hundert Freunde werden können, sollte man sich der Wichtigkeit von wahrer Freundschaft bewusst werden. Wer sind wirkliche Freunde und wer nur „Bekannte“?

Gute Freunde lassen dich nicht im Stich. Sie werden Himmel und Erde in Bewegung setzen um dir zu helfen und das zu jeder Tages- und Nachtzeit. Sie teilen deine Leidenschaften, haben Verständnis für deine Macken und wissen, dass du, auch wenn ihr mal nicht einer Meinung seid, im Grunde doch genauso tickst wie sie.

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Gehe nicht vor mir her, vielleicht folge ich dir nicht. Geh nicht hinter mir, vielleicht führe ich dich nicht. Geh einfach neben mir und sei mein Freund.“

Freundschaft ist lagom, sie funktioniert auf Dauer nur, wenn sie ausgewogen ist. Wenn sich Helfen und Hilfe annehmen die Waage halten. Jemand der nur nimmt und niemals gibt kann kein guter Freund sein. Und derjenige der nur gibt und sich selbst darüber vergisst wird auf Dauer an dieser Einseitigkeit zerbrechen.

Wahre Freundschaften überdauern Jahre, ja oft Jahrzehnte und nicht selten überbrücken sie weite Entfernungen. Mit einem richtig guten Freund kann ich nach Jahren in denen wir uns nicht gesehen haben, dort anknüpfen wo wir beim letzten Treffen aufgehört haben.

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Ein wahrer Freund ist jemand der dich hören kann, auch wenn du still bist.“

Kenn ihr auch diese Situation: ihr tragt tagelang schon Sorgen und Gedanken mit euch herum, grübelt und quält euch  ohne zu einem Ergebnis zu kommen und dann kommt eure beste Freundin oder euer bester Freund und fragt einfach nur nach was denn los ist, was euch quält und bedrückt. Dabei habt ihr euch so bemüht euch nichts anmerken zu lassen, aber die Menschen die euch so gut kennen, merken sofort das etwas nicht stimmt. Ist das nicht wunderbar beruhigend?

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Mit einem ersten Frühlingsgruß aus meinem Schwedenhäuschen und dem wunderschönen Bild von meiner Svea, das ich von meinen besten Freunden geschenkt bekommen habe, möchte ich mich für diese Woche von euch verabschieden. Nehmt euch Zeit für eure Freunde und genießt das Beisammensein mit den Menschen, die euch so gut kennen!

Ha det bra, Conny

 

Sju sorters kakor – Schwedisch lernen auf die etwas andere Art

Immer wieder werde ich gefragt ob ich nach all den Jahren denn auch Schwedisch spreche, ob es eine schwer zu lernende Sprache ist und wie ich es gelernt hätte.
Natürlich spreche ich Schwedisch, lese schwedische Bücher, höre via Internet schwedisches Radio und sehe mir auch gerne schwedische Filme im Originalton an. Ich bin der Meinung die Sprache ist nicht schwer zu lernen. Da habe ich mir während meiner Schulzeit mit Französisch viel schwerer getan.

Man kann sich in Schweden zwar problemlos in Englisch und teilweise sogar in Deutsch verständigen – viele Schweden sprechen beide Sprachen sogar sehr gut – aber für mich war nach ein paar Jahren klar, das ich die Sprache meines Lieblingslandes sprechen und verstehen möchte. Und ganz ehrlich, ich erkennne immer wieder ein freudiges Leuchten in den Augen der Schweden, wenn sie  merken, dass ich zwar „nur“ Tourist bin, mich aber trotzdem näher mit ihrem Land und der Sprache beschäftigt habe.

Gelernt habe ich die ersten schwedischen Worte allerdings nicht mit einem Sprachbuch oder auf der Volkshochschule. Nein, ich habe die ersten Worte mit einem Kochbuch, besser gesagt einem Backbuch, gelernt. Erst ein Jahr später habe ich dann einen Volkshochschulkurs für Schwedisch besucht und hatte das Glück die ersten Jahre einen genialen Lehrer zu haben, der es wirklich verstanden hat seinen Schülern nicht nur die schwedische Sprache sondern auch die schwedische Seele näher zu bringen.

Das Buch „Sju sorters kakor“ (sieben Sorten Kekse), war sozusagen mein erstes Lehrbuch. Es ist 1945 im ICA bokförlag erschienen und wurde seit damals mehr als 3,4 Millionen Mal verkauft und 2005 zum 60 jährigen Jubiläum in der 83. Ausgabe neu aufgelegt.

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Der Titel bezieht sich auf eine schwedische Tradition, wonach es mindestens sieben verschiedene Gebäckstücke sein müssen, die bei einem Kaffeekränzchen gereicht werden sollen. In vielen schwedischen Cafés gibt es auch heute noch diesen kakbord (Kuchentisch) der das Herz jeder Naschkatze höher schlagen lässt.

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In meiner Küche steht mittlerweile auch schon die dritte Ausgabe dieses schwedischen Backbuchklassikers. Und obwohl ich viele Rezepte daraus nach all den Jahren schon im Kopf habe, nehme ich das Buch immer wieder gerne zur Hand und erinnere mich daran, wie ich zu Beginn, ausgerüstet mit einem dicken Wörterbuch, die Rezepte Zutat für Zutat mühsam übersetzt habe.

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Eines der ersten Rezepte, dass ich vor vielen Jahren übersetzt und gebacken habe und seitdem immer und immer wieder backe ist Farmors Choklad Kaka – Großmutters Schokoladekuchen. Genauer gesagt der Schokoladekuchen der Großmutter väterlicherseits. In Schweden erspart man sich nämlich die Frage mütterlicher- oder väterlicherseits. Da gibt es ganz klare Bezeichnungen. Far ist der Vater, mor ist die Mutter, farmor ist die Mutter des Vaters und – ihr ahnt es schon – mormor ist die Mutter der Mutter. Also ganz einfach und logisch!

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Aber zurück zum Schokoladekuchen, der ist nämlich sowas von lecker und saftig, den müsst ihr unbedingt probieren. Und hier kommt auch schon das Rezept für euch:

1 dl Kakao
2 dl Milch
1 dl Zucker
125 gr Butter
1,5 dl Zucker
2 Eier
1,5 msk Vanillezucker
3,5 dl Mehl
1,5 tsk Backpulver

Ich backe den Kuchen meistens in einer Kastenform, aber ihr könnt auch jede andere Form verwenden. Sie sollte jedoch mindestens 1,2 Liter fassen. Die Form wird eingefettet und mit Mehl ausgestaubt.

Jetzt mischt ihr Kakao, Milch und Zucker in einem Topf und kocht die Flüssigkeit kurz auf und lasst sie wieder abkühlen.
Als nächstens schlagt ihr die Butter und den Zucker cremig und rührt den Vanillezucker sowie nach und nach die Eier ein. Das Backpulver mischt ihr mit dem Mehl und gebt die Mischung abwechselnd mit dem ausgekühlten Kakao in den Teig.

Den gut verrührten Teig füllt ihr jetzt in eure Backform und backt ihn bei 175°C ca. 1 Stunde. Jetzt muss Farmors Choklad Kaka nur noch auskühlen und einer typisch schwedischen Kaffeejause steht nichts mehr im Weg.

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Ich wünsche euch gutes Gelingen und vielleicht wird ja Farmors Choklad Kaka auch euer Lieblingskuchen am Kuchentisch. Ich jedenfalls habe noch niemanden kennengelernt, der nach dem ersten Bissen nicht begeistert war.

Und ganz ehrlich, bei so einem unfreundlichen und nassen Wetter wie wir es im Moment haben, tut es der Seele ganz gut, wenn man sie mit ein wenig Schokoladekuchen verwöhnt.

Ich für meinen Teil hoffe ja immer noch auf Schnee und Kälte in diesem Winter. Ich will durch knirschenden Schnee spazieren, Eiskristalle in der Wintersonne funkeln sehen und nach dem Heimkommen mit dem Hund nicht ewig mit schmutzigen Hundepfoten kämpfen müssen.

Und so warte ich weiter, bei einem flaumigen Stück Farmors Choklad Kaka auf meinen weißen Wintertraum und sage bis dahin,

ha det bra, Conny

Skåne – wo Schweden am südlichsten ist

„Da begriff der Junge, dass das große gewürfelte Tuch, über das er hinflog, der flache Erdboden von Schonen war. Und er begann zu verstehen, warum es so gewürfelt und farbig aussah. Die hellgrünen Vierecke erkannte er zuerst, das waren die Roggenfelder, die im vorigen Herbst bestellt worden waren und sich unter dem Schnee grün erhalten hatten. Die gelbgrauen Vierecke waren die Stoppelfelder, wo im vorigen Sommer Frucht gewachsen war, die bräunlichen waren alte Kleeäcker und die schwarzen leere Weideplätze oder ungepflügtes Brachfeld. Die braunen Vierecke mit einem gelben Rand waren sicherlich die Buchenwälder, denn da sind die großen Bäume die mitten im Wald wachsen, im Winter entlaubt, während die jungen Buchen am Waldessaum ihre vergilbten Blätter bis zum Frühjahr behalten. Es waren auch dunkle Vierecke da mit etwas Grauem in der Mitte. Das waren die großen viereckig gebauten Höfe mit den geschwärzten Strohdächern und den gepflasterten Hofplätzen. Und dann wieder waren Vierecke da, die in der Mitte grün waren und einen braunen Rand hatten. Das waren die Gärten, wo die Rasenplätze schon grünten, während das Buschwerk und die Bäume, die sie umgaben noch in der nackten braunen Rinde dastanden.“

So beschrieb Selma Lagerlöf die südlichste Provinz Schwedens in ihrem 1906/1907 erschienen Schullesebuch „Nils Holgerssons wunderbare Reise durch Schweden“.

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Und hier in Skåne möchte ich eine virtuelle Reise durch Schweden mit euch beginnen. Eine Reise zu meinen schwedischen Lieblingsplätzen. Und ich verrate euch schon mal soviel, es wird eine sehr lange Reise mit vielen Stationen. Vom südlichen Skåne bis hinauf nach Lappland wird uns diese Reise führen. So wie in Selma Lagerlöfs Buch der kleine Junge Nils Holgersson auf seiner Reise mit den Wildgänsen von Skåne nach Lappland geflogen ist.

Also lehnt euch zurück und macht es euch gemütlich, hier kommen meine ersten drei Lieblingsplätze im südöstlichen Skåne.

Kommt man mit der Fähre von Deutschland nach Schweden, durchfährt man unweigerlich Schwedens südlichste Provinz „Skåne“ (Schonen) welche gleichzeitig auch die südlichste Spitze Skandinaviens bildet. Skåne war für uns lange Zeit nur Anlegeplatz der Fähre. In Trelleborg angekommen haben wir meist eine der Autobahnen oder Schnellstraßen gewählt, um so schnell wie möglich weiter in den Norden zu gelangen.

Erst nach einigen Jahren haben wir begonnen uns die südlichste Provinz Schwedens genauer anzusehen und haben dabei Orte entdeckt, die seitdem zu unseren Lieblingsplätzen gehören. Und bei jeder Fahrt durch Skåne wird mir bewußt, wie treffend Selma Lagerlöf die Landschaft beschrieben hat. Skåne ist die Kornkammer Schwedens und die Landschaft dadurch geprägt von riesigen Feldern und verstreut liegenden großen Höfen.

Der erste und mein absoluter Lieblingsplatz in Skåne ist die beeindruckende und faszinierende Schiffssetzung Ales Stenar oberhalb des kleinen Fischerdorfes Kåseberga in der Gemeinde Ystad.

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Rund um die Bedeutung dieses Steinmonumentes gibt es viele Spekulationen. Die Einen sagen es wäre eine Art „schwedisches Stonehenge“, die Anderen sehen darin eine Grabstätte. Was auch immer sich die Menschen damals gedacht haben, sie haben für dieses Monument einen ganz besonderen Platz ausgesucht. Hoch oben auf einem Plateau an der Steilküste schwebt die Schiffssetzung förmlich zwischen Himmel, Erde und Meer.

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Unzählige Male schon sind wir zwischen den Steinen gesessen, haben zugesehen wie der Mond eine helle Lichtstraße auf die Ostsee malt und haben die beinahe körperlich spürbare Energie dieses besonderen Platzes auf uns wirken lassen.

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Fährt man von Kåseberga die Küstenstraße weiter Richtung Norden erreicht man nach ein paar Kilometern das wunderschöne Naturschutzgebiet Sandhammaren mit kilometerlangen weißen Sandstränden. In der Hauptsaison kann es hier schon ganz schön voll mit Menschen sein, Nebensaisonliebhaber wie wir, haben die weiten Sandstrände ganz für sich alleine.

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Vom Stenshuvud dem „steinernen Haupt“, einem 97 Meter hohen Urberg an der Osteeküste südlich von Kivik, hat man zumindest annähernd eine ähnliche Perspektive auf das Land, wie der kleine Nils Holgersson vom Rücken seiner Gans aus. Es wird behauptet, dass man an klaren Tagen bis zur dänischen Insel Bornholm sehen kann. Als wir das erste Mal im Nationalpark und oben auf dem Stenshuvud waren, hatten wir leider ziemlich dunstiges Wetter. Aber nachdem es einer unserer Lieblingsplätze ist, werden wir vielleicht beim nächsten Mal das Glück haben eine tolle Fernsicht zu genießen.

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Und schon sind wir am Ende der heutigen Etappe  durch Südschweden angekommen. Ich hoffe ich konnte euch einen kleinen ersten Eindruck davon vermitteln wie schön es schon nach ein paar Autokilometern in Schweden sein kann.

Ich überlege mir jetzt, wo ich euch beim nächsten Mal hin mitnehmen werde. Möglichkeiten gibt es ja mehr als genug in meinem Sehnsuchtsland Schweden.

Ha det bra, Conny

 

 

 

 

Das war Lagom 2017

Ich weiß noch genau wann ich das erste Mal darüber nachgedacht habe einen Blog über Schweden bzw. schwedisches Lebensgefühl zu starten.

Es war im Frühsommer 2017. Wir waren gerade zurück von einer fantastischen Reise quer durch Schweden. Es war ein „ONCE IN A LIFETIME-URLAUB“. Wir hatten einen Monat lang perfektes Wetter, fuhren durch einzigartig schöne Landschaft, durften wunderbare Menschen kennenlernen und viele unvergessliche Momente erleben. Es war ein Urlaub in dem ich intensiver als je zuvor gespürt habe wie sich Lagom anfühlt.

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Wieder daheim wollte ich allen davon erzählen wie entspannend es ist lagom zu leben, zu essen, zu reisen und zu wohnen. Also habe ich mich an den Laptop gesetzt und habe begonnen zu schreiben. Als ich dann den ersten Blogentwurf wieder und wieder gelesen hatte waren auf einmal Zweifel da: Interessiert das irgend jemandem? Wird das überhaupt jemand lesen?  Was wenn keiner sich für schwedisches Lebensgefühl interessiert?

Aber die Idee lies mich einfach nicht mehr los und nach einigen Wochen in denen ich mich durch unzählige Blogs zum Thema Bloggen gelesen hatte und dadurch erst recht wieder verunsichert war ob ich das alles so hinkriegen würde, habe ich einfach den Sprung ins kalte Wasser gewagt und am 15. September das erste mal auf den Button „Veröffentlichen“ gedrückt. Ich war ganz schön aufgeregt dabei, das könnt ihr mir glauben.

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Jetzt sind es gerade mal 3 1/2 Monate seit „Lagom schwedisches Lebensgefühl“ online gegangen ist und trotzdem ist in dieser kurzen Zeit so wahnsinnig viel passiert. Ich habe viel tolles Feedback bekommen. So viele Menschen schreiben mir, dass sie sich Woche für Woche auf meine Posts freuen. Manchmal kann ich es gar nicht glauben aus wieviel verschiedenen Ländern der Welt die Menschen kommen, die meinen Blog lesen.

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Auch auf Facebook folgen mittlerweile mehr als 750 Fans dem schwedischen Lebensgefühls. Alleine das Foto mit den Schwedenhäusern im Herbst erreichte via Facebook mehr als 10.000 Menschen.

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Auch das weiße Dalarhäst war eines der meistgeklickten Bilder auf Facebook.

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Als die Tage kühler wurden habe ich euch in mein schwedisches Gartenzimmer mitgenommen und ich kann euch jetzt schon versprechen, dass ich euch im kommenden Frühling wieder dorthin mitnehmen werde.

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Ich durfte viele liebe Bloggerkolleginnen kennenlernen und die Einladung zur 2. Österreichischen Blogger Christmas Home Tour war für mich ja dann sowieso DAS Highlight des Jahres.

Mal sehen welche Überraschungen und Highlights das kommende Jahr für mich bereithält. Aber eines ist sicher, ich werde euch auch 2018 immer wieder mitnehmen in mein Sehnsuchtsland Schweden.

Zum Schluss dieses Posts möchte ich mich ganz herzlich bei jedem Einzelnen von euch für eure Treue und die lieben Kommentare bedanken. Es ist eine wunderschöne Bestätigung für einen Blogger, wenn Leser sich die Zeit nehmen ein paar nette Worte unter den Post zu schreiben. Denn dann hat man die Gewissheit, dass die geschriebenen Zeilen und die mit großer Sorgfalt ausgewählten Fotos im Leser etwas bewegt haben.

Kommt alle gut ins Jahr 2018!

Ha det bra och „Gott Nytt År“, Conny