Lagom ist Schweden – Schweden ist Lagom

Zugegeben, typisch schwedisch klingt es nicht das Wort LAGOM und doch beschreibt kein anderes Wort die schwedische Mentalität besser. Eine direkte Übersetzung ins Deutsche gibt es nicht. Bei uns würde man nicht zu viel – nicht zu wenig, nicht zu kalt – nicht zu warm, nicht zu groß – nicht zu klein sagen.  Die Schweden sagen einfach „lagom“.

Lagom kann alles sein, das Wetter, die Größe der Fleischbällchen (Köttbullar), die Temperatur des Badesees, die Einrichtung der Wohnung oder die Verkehrslage auf der Autobahn.

Darüber, woher das Wort stammt, ist man sich nicht ganz einig. Wikipedia erklärt das Wort so:
Lagom (gewöhnlich „laghum“ geschrieben) war die frühere Form des Dativs im Plural von lag (Gesetz, rechte Ordnung), wobei dabei auf kein juristisches Gesetz verwiesen werden musste. Die heutige Bedeutung ist eher abgeschwächt und hat neben „gemäß rechter Ordnung“ auch die Bedeutung von „passend“, „weder zu wenig noch zu viel“.
Fragt man in Schweden nach der Herkunft des Wortes, hört man oft von einem Mythos der besagt, das Wort stamme noch aus der Wikingerzeit. Damals soll ein mit Met gefülltes Trinkhorn unter der Mannschaft (auf schwedisch laget) eines Schiffes herumgereicht worden sein. Jeder hat daraus nur so viel getrunken, dass für den Nächsten noch etwas übrig geblieben ist. Das Trinkhorn wurde sozusagen „laget om“ – einmal in der Mannschaft herum – gereicht.
Mir persönlich gefällt die Version mit dem Trinkhorn besser, ich kann es mir so schön bildlich vorstellen:
Eine Horde gestählter, bärtiger Hünen mit stahlblauen Augen sitzt am Strand um ein knisterndes Lagerfeuer, auf dem Wasser schaukelt das Schiff mit dem schlanken Holzrumpf und das mit Met gefüllte Trinkhorn wird von einem zum anderen gereicht.

Aber Lagerfeuerromantik beiseite, die Geschichte mit dem Trinkhorn erklärt für mich viel klarer den wichtigsten Gedanken hinter dem Wort LAGOM:

Ich nehme mir soviel, dass es für mich reicht, denke aber auch an die Bedürfnisse meines Nächsten.
Wenn ihr lagom einkauft, dann reduziert ihr den Konsum auf das was ihr wirklich braucht und was ihr aufessen könnt. Ihr verschwendet weder Lebensmittel noch andere Ressourcen und wählt bewusst nachhaltige und regionale Produkte.
Wenn ihr euch lagom ernährt, dann esst ihr ausgewogen und gesund. Ihr kasteit euch nicht oder haltet Diät und gönnt euch auch mal eine kleine leckere Sünde.
Wenn ihr lagom arbeitet, dann versucht ihr stressfrei aber trotzdem produktiv zu arbeiten. Ihr nehmt euch Zeit für Familie, Hobby und Freunde und werdet nicht zum Sklaven eurer Arbeit.
Und wenn ihr euch lagom einrichtet, dann wohnt ihr in einer entspannten, luftigen Atmosphäre mit klaren Linien, hellen Farben und Dekoelementen aus Holz und anderen Naturmaterialien.
Ist das in unserer heutigen  Zeit nicht eine erstrebenswerte Lebenseinstellung?
In diesem Blog möchte ich euch in Zukunft mehr über die Schweden erzählen. Über ihre Liebe zur Natur, über die einzigartigen Landschaften hoch oben im Norden, über liebevoll gepflegte Traditionen, geschmackvoll in Szene gesetzte Dekodetails und auch das ein oder andere meiner schwedischen Lieblingsrezepte werde ich euch verraten.
Bis dahin versucht ein wenig schwedische Leichtigkeit in euren Alltag einfließen zu lassen, denn wie heißt es in einem Sprichwort so treffend:
LAGOM ÄR BÄST! (WENIGER IST MEHR!)

Ha det bra (macht’s gut)

 

Conny
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Autor: Conny

Alter: 49 Wohnort: Niederösterreich Familienmitglieder: ein Mann, ein Hund und ein Pferd Das bin ich: schwedenverliebt, dekoverrückt, naturverbunden

10 Kommentare zu „Lagom ist Schweden – Schweden ist Lagom“

  1. Liebe Conny! Danke für diesen Blogg. Ich lebe seit 2014 mittendrin im „Lagom“, und genieße seitdem jeden Tag. Ich verspüre eine große Dankbarkeit diese Erfahrung machen zu dürfen.

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