Rotes Gold im hohen Norden

Safran – kein anderes Gewürz verbinde ich so sehr mit der schwedischen Weihnachtszeit. Die kostbaren roten Fäden der Krokusblüte Crocus sativus wurden schon in der Antike mit Gold aufgewogen und auch heute noch ist Safran das teuerste Gewürz der Welt.

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Die Hauptanbaugebiete dieser besonderen Krokuspflanze liegen zwar im Iran aber auch in Schweden wird Safran angebaut. Auf der schwedischen Insel Gotland am Hof Stafva Gård befindet sich Schwedens größtes Anbaugebiet. Ob es ein Zufall ist, dass Saffranspannkaka Gotlands Nationalgericht ist?

Aber heute will ich euch eigentlich ein Safrangebäck vorstellen, welches in Schweden aus der Vorweihnachtszeit nicht wegzudenken ist – Lussekatter.
Dieses traditionelle Hefegebäck mit dem feinen Safrangeschmack hat vor allem am 13. Dezember, dem Tag der heiligen Lucia, in Schweden seinen großen Auftritt. Egal ob zum Frühstück mit einer Tasse Tee oder Kaffee oder am späten Abend mit einer Tasse Glögg, am 13. Dezember isst ganz Schweden Lussekatter oder Saffransbröd wie es auch genannt wird.

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Ich backe jedes Jahr ca. 30 Stück dieser Köstlichkeit. Durch den Topfen im Germteig bleibt das Gebäck lange saftig. Es kann aber auch eingefroren werden.

Hier aber erst einmal das Rezept für ca. 32 Stück Lussekatter:

1 Würfel Hefe
150 g Butter
5 dl Milch
250 g Topfen (10%ig)
0,5 tsk Salz
2 dl Zucker
3 – 4 g Safran + 1 Stück Würfelzucker
1 Ei
17 dl Weizenmehl
1 Ei zum Bestreichen
1 dl Rosinen

Zubereitung:
Als erstes bröselt ihr die Hefe in eine Rührschüssel. Danach gebt ihr die Butter in einen Topf und lasst sie bei geringer Wärme schmelzen. Jetzt gebt ihr die Milch dazu und erwärmt beides auf ca. 37 Grad.
Das Butter-Milch-Gemisch gießt ihr nun über die Hefe und rührt um bis sich die Hefe aufgelöst hat.
Den Safran gebt ihr gemeinsam mit einem Stück Würfelzucker in einen Mörser und zerreibt beides ganz fein und rührt es in die Milchmischung ein. Nun kommen Zucker, Salz, Topfen und das Ei dazu und ein großer Teil des Mehls. Das ganze wird jetzt so lange verrührt bzw. abgeschlagen, bis sich der Teig vom Schüsselrand löst.

Den fertigen Teig, der nun eine wunderbar gelbe Farbe hat und schon ganz herrlich nach Safran duftet lasst ihr nun ca. 1 Stunde rasten.

Für die Herstellung der Lussekatter teilt ihr nun den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche in 32 gleich große Stücke und formt diese zu kleinen Kugeln. Die Kugeln rollt ihr mit beiden Händen zu dünnen Strängen und dreht diese an den Enden gegengleich zu Schnecken.

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Die geformten Teiglinge auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech geben und noch einmal für ca. 30 Minuten rasten lassen. Jetzt könnt ihr auch schon den Ofen auf  225 Grad vorheizen.

Nach dem Rasten werden die Lussekatter mit verquirltem Ei bestrichen und  mit Rosinen verziert.

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Gebacken werden sie ca. 8-10 Minuten.

Glaubt mir das Geruchserlebnis während dem Backen ist sensationell. Die Lussekatter sind fertig gebacken, wenn sie schön dunkelgelb sind und beginnen ganz leicht braun zu werden.

Jetzt müsst ihr nur noch genug Geduld aufbringen bis die Gebäckstücke ausgekühlt sind, wobei ich euch gestehen muss, dass ich sie lauwarm auch schon gegessen habe.

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An einem kalten Wintertag gibt es für mich nichts Schöneres als mit einer heissen Tasse Glögg und einem frisch gebackenen Stück Lussekatt vor dem Kamin zu sitzen. Wenn dann vielleicht draussen auch noch ein paar Schneeflocken vom Himmel fallen und die CD mit meinen schwedischen Weihnachtsliedern leise im Hintergrund läuft, dann ist das für mich ein perfekter Moment.

Ich wünsche euch für die letzte Woche vor Weihnachten ein wenig Zeit für eure ganz persönlichen perfekten Momente. Gönnt euch etwas Ruhe und lasst euch nicht zu sehr vom Weihnachtstrubel antreiben.

Ha det bra, Conny

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Heute muss es Kladdkaka sein

Kennt ihr das auch, diese Tage an denen es einfach nicht schokoladig genug sein kann. Irgendwie hat man ein wenig den Herbstblues, ist auch noch nicht so ganz in Adventstimmung und braucht etwas um das Gemüt ein wenig aufzuhellen.

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Schokolade funktioniert bei mir leider immer um schlechte Laune zu bekämpfen. Aber nicht etwa einfach so ein Stück aus der Packung, nein, ein richtig schokoladiger  Kuchen muss es dann sein. So einer wie ihn heute am „Kladdkakans dag“ (Tag des klebrigen Schokoladekuchens) in Schweden alle essen.

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Das tolle am Kladdkaka ist nicht nur, dass er unglaublich cremig schokoladig schmeckt, er ist auch ganz einfach und schnell zuzubereiten.

Ihr braucht folgendes dazu:

eine Kuchenform mit ca 24 cm Durchmesser

etwas Butter für die Form

2,5 dl Zucker

2 Eier

100 gr Butter

1,5 dl Mehl

3 Esslöffel Kakao

1 Teelöffel Vanillezucker

dl ist die Maßeinheit mit der in Schweden die meisten Rezeptzutaten angegeben sind. Eine kurze Erklärung dazu findet ihr in meinem Kanelbullerezept.

Die Eier und den Zucker schlagt ihr schaumig und gebt danach die geschmolzene Butter dazu. Dann mischt ihr Kakao, Vanillezucker und Mehl dazu und verrührt alles zu einem herrlich cremigen Teig. Den füllt ihr in die mit Butter gefettete Form und schiebt das Ganze für ca 20-25 Minuten bei 175 Grad in den Backofen.

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Nach dem Auskühlen kommt noch etwas Staubzucker oben drauf und serviert wird der Kladdkaka in Schweden traditionell mit einem Klecks Sahne. Und seid nicht überrascht wenn ihr den Kuchen anschneidet, er muss so richtig schön klebrig sein – kladdig eben!

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Ich hab heute schon was für mein Gemüt getan und mir den Kladdkaka zum Nachmittagskaffee gegönnt. Was soll ich euch sagen, es hat gewirkt!

Ich wünsche euch nun gutes Gelingen und einen schokoladig guten Appetit!

Ha det bra, Conny

Ein schwedischer Urlaubstraum

Habt ihr gewusst, dass Schweden eines der größten europäischen Länder ist? Und das auf einer Fläche von ca. 450.000 km² nur 9 Millionen Menschen leben? Das sind nur 22 Einwohner pro km². Da kann es schon mal vorkommen, dass euch in manchen Gegenden drei Tage lang kein Mensch über den Weg läuft.

Dank der Größe des Landes verliert sich auch die immer größer werdende Zahl der Menschen, die jedes Jahr von überall auf der Welt nach Schweden kommen um hier Urlaub zu machen. Jeder will die einzigartige Natur genießen und jeder tut es auf seine Art. Es wird geangelt, gesegelt, gepaddelt, geradelt und gewandert. Und all diese Menschen brauchen nach ihren mehr oder weniger schweißtreibenden Freizeitaktivitäten natürlich ein Bett zum Schlafen.

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Jetzt gibt es in Schweden aber fernab der Großstädte und Skigebieten nicht wirklich viele Hotels oder Pensionen. Schließlich ist das Land so groß, dass es einen auch einmal in eine Gegend verschlägt in der außer unberührter Natur und kleinen Dörfern sonst nichts zu finden ist. Wo also wohnen, während man die unzähligen Seen mit dem Kanu erkundet oder sein Anglerglück versucht?

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Das eigene Zelt ist natürlich eine Möglichkeit. Auch wenn es eine eher einfache Unterkunft ist, gibt es viele Menschen, die auf diese sehr bodenständige und naturverbundene Art durch Schweden reisen. Campingplätze gibt es jede Menge und dank des „allemansrätten“ dem Jedermannsrecht darf man ja das Zelt auch mal für eine Nacht in der freien Natur aufstellen, solange man sich an die Regeln hält.

Die etwas luxuriösere Variante des Campingurlaubs ist das Wohnmobil oder der Wohnwagen. Man muss so ein Wohnmobil jetzt nicht zwingend sein Eigen nennen um damit in Urlaub fahren zu können. Es gibt mittlerweile sehr viele Firmen die Wohnmobile vermieten. Allerdings ist das im Vergleich zum Zelt schon eine eher kostspieligere Angelegenheit.

Obwohl wir hauptsächlich mit dem eigenen Wohnmobil in Schweden unterwegs sind, gibt es da noch eine Möglichkeit der Urlaubsunterkunft die meiner Meinung nach die Schönste überhaupt ist: das Ferienhaus oder „semsterstuga“.

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Und jetzt lehnt euch einmal kurz zurück ………. macht die Augen zu ………. und stellt euch vor ihr wohnt für die Dauer eures Urlaubs in so einem gemütlichen roten Häuschen. Die weiß gestrichenen Hausecken, Fenstereinfassungen und die Veranda leuchten in der Sonne, hinter dem Haus zaubert das Sonnenlicht kleine funkelnde Sterne auf die Wasserfläche des Sees. Rund um das Haus sind die Wiesen übersät mit Margeriten und Lupinen und der nächste Nachbar wohnt einige hundert Meter weit entfernt.
Nein, das ist kein Auszug aus einem Inga Lindström Drehbuch, das gibt es in Schweden tatsächlich. Ich habe es selber viele Male so erlebt.

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Wir hatten im Winter 2000 das erste Mal ein Ferienhaus in der Region Värmland gemietet. Damals waren wir über Weihnachten in Schweden und das wollten wir natürlich stilvoll in einem Haus feiern.

An den Moment, als ich den Schlüssel für „unser“ Ferienhaus endlich in der Hand hielt kann ich mich erinnern als wäre es gestern gewesen. So lange hatte ich mich auf einen Urlaub im Ferienhaus gefreut. Und dann stand ich tatsächlich unter dem Dach der Veranda und durfte das erste Mal den Schlüssel im Schloss umdrehen. Noch heute bekomme ich Gänsehaut, wenn ich daran denke. Fast andächtig sind wir dann das erste Mal  durch das gemütliche Haus gegangen und haben uns von der ersten Sekunde an absolut wohl darin gefühlt.

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Zugegeben, es waren damals keine Sommerblumen auf der Wiese vor dem Haus, statt dessen aber eine strahlend weiße Schneedecke aus vielen wunderbar glitzernden Eiskristallen. Es war einer der schönsten Urlaube, die wir je in Schweden verbracht haben. In den darauffolgenden Jahren haben wir immer wieder Ferienhäuser in Schweden gemietet. Mal mit dem See direkt vor der Haustür, mal ein Strandhaus an einem Sandstrand in Südschweden.

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Fotos: Incomingcenter of Scandinavia

Ferienhäuser in Schweden gibt es für nahezu jedes Budget und in jeder Größe. Ob ihr nun zu zweit unterwegs seid und euch die schlichte Hütte mit Stockbett und Kochplatte reicht, weil ihr die meiste Zeit des Tages ohnehin in der Natur unterwegs seid, oder ob ihr ein Haus für eine 5 köpfige Familie sucht, das von der Sandkiste auf der Wiese vor dem Haus bis zu den Fahrrädern alles bietet, egal, ihr werdet bestimmt das passende Haus für euch finden.

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Fotos: Incomingcenter of Scandinavia, AB

Auf der Internetseite von Maria und Michael besuchschweden.de findet ihr Ferienhäuser in nahezu jeder Ecke von Schweden und für jeden Anspruch und jede Reisekasse. Klickt euch doch einfach einmal durch und vielleicht findet ihr dort ja euren schwedischen Ferientraum für den nächsten Urlaub.

Ha det bra, Conny

Ein besonderes Gespür für Licht

Habe ich schon erwähnt das ich ein Herbstkind bin? Natürlich mag ich jede Jahreszeit aber der Herbst hat es mir besonders angetan. Ich lebe auf wenn die Luft kühl wird und kann selbst trüben Nebeltagen etwas Schönes abgewinnen. Da mache ich es mir eben drinnen mit einer flauschigen Decke gemütlich und ziehe mir beim Spaziergang mit dem Hund den dicken Wollpulli an.

Ich mag die Farben dieser Jahreszeit, die von kräftigem Rot über strahlendes Gelb bis zu Brauntönen so bunt und harmonisch zugleich sind. An einem Tag strahlen sie intensiv und fast unrealistisch wenn die Herbstsonne die Landschaft in warmes Licht hüllt, am anderen Tag leuchten sie nur dumpf durch die Nebelschwaden die über Wiesen oder Seen liegen.

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Der Herbst in Schweden ist eine ganz besondere Zeit. Die Menschen genießen die letzten Sonnenstrahlen mit dem Wissen, dass ein langer dunkler Winter vor ihnen liegt. Und wer schon einmal einen Winter in Schweden erlebt hat, der weiß wie wertvoll jeder einzelne Sonnenstrahl für das Gemüt ist. Die Zeit die man im Winter in den Häusern verbringt ist schließlich lange genug.

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Aber die Menschen in den skandinavischen Ländern haben ein ganz besonderes Gespür für Licht. Sie wissen, wie sie sich in der dunklen Jahreszeit eine gemütliche und heimelige Stimmung schaffen können. Wenn die Tage kürzer werden beleuchten die Schweden ihre Häuser mit kleinen Lampen die sie in die Fenster stellen. Egal ob in den Städten oder auf dem Land, sobald es dunkel wird gehen in  den Fenstern die Lichter an.

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Die Tradition stammt noch aus einer Zeit, in der es kein elektrisches Licht gab. Damals war es auf den Straßen und Wegen während den Wintermonaten natürlich  dunkel. Vor allem in den ländlichen Gegenden, wo die Höfe weit verstreut lagen, war die Kerze im Fenster oder die Laterne vor der Eingangstür die einzige Möglichkeit sich auf dem Heimweg zu orientieren.

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Heute sind es keine Kerzen mehr die in den Fenstern stehen. Eigentlich würde man, dank Straßenbeleuchtung, gar keine Orientierungshilfe mehr brauchen, aber die Schweden halten an dieser Tradition fest. Zu meiner Freude, denn ich liebe es im Dunkeln durch ein Dorf zu spazieren und dabei die einladend wirkenden Fenster und Eingangsbereiche zu bewundern.

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Wer es noch ein wenig gemütlicher haben möchte, der beleuchtet Haus und Garten mit Fackellichtern (Marschalljus). Ich habe keine Ahnung wie viele von diesen Marschalljus wir in den letzten Jahren schon nach Österreich importiert haben. Sie geben ein wunderschönes Licht, trotzen selbst starkem Wind und brennen einige Stunden lang.

Immer wenn wir Gäste erwarten, wird bei uns der Garten mit Fackellichtern und Laternen beleuchtet. Sie heißen die Gäste beim Eintreffen willkommen und geleiten sie auch wieder stimmungsvoll durch den Garten zum Eingangstor.

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Mein absoluter Favorit unter den Gartenlichtern sind seit ein paar Jahren „Järnklot“ (järn = Eisen, klot = Kugel). Diese Eisenkugeln habe ich das erste Mal in einem Dekoladen in Dänemark entdeckt, und war sofort fasziniert davon. Als ich dann im Jahr darauf in einem schwedischen Geschäft nochmal darüber gestolpert bin, musste ich einfach zuschlagen.

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Järnklot sind schon bei Tageslicht ein absoluter Blickfang im Garten. Aber wenn es dunkel wird und das Fackellicht durch das Eisengeflecht flackert sieht das einfach sensationell aus.

Ich hoffe ich konnte euch ein wenig dazu inspirieren, euch die kommenden dunklen Monate etwas heller zu gestalten. Mit ein wenig Phantasie und Kreativität wird das einfachste Glas zur stimmungsvollen Lichtquelle. Schaut doch einfach mal nach, was ihr so daheim habt. Einweckgläser eignen sich gut, da sie groß genug sind um eine Blockkerze hineinzustellen.

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Und vielleicht merkt ihr ja beim kreativen Werkeln, das ihr es auch habt, dieses besondere Gespür für Licht.

Ha det bra, Conny

 

 

 

 

Kanelbulle – Schwedens süßeste Versuchung

Was ist verführerischer als der Duft nach frischem Kaffee?
Genau! Der Duft nach frischem Kaffee und frisch gebackenen Kanelbullar!

Seit meinem ersten Schwedenurlaub bin ich diesem Hefegebäck, das so wunderbar nach Zimt und Kardamom schmeckt, hoffnungslos verfallen. Es gibt kein Kaffeehaus in Schweden, selbst wenn es noch so klein ist, dass dieses schwedische Nationalgebäck nicht anbietet.

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Es gibt Bücher voll mit Kanelbullerezepten und die Schweden haben diesem süßen Hefegebäck sogar einen Tag gewidmet, den 4. Oktober, an dem Tag dreht sich in Schweden alles um diese Köstlichkeit. Der 4. Oktober ist „Kanelbullens dag“.

Damit ihr auch in den Genuss frisch gebackener, ofenwarmer Kanelbullar kommen könnt, verrate ich euch hier mein Lieblingsrezept.

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Ihr braucht folgende Zutaten:

1 Würfel Hefe
5 DL Milch
150 g zimmerwarme Butter
1,5 DL Zucker
1 Ei
1/2 TS Salz
2 TS gemahlener Kardamom
1,5 L Weizenmehl

Fülle:
75 g zimmerwarme Butter
1 DL Zucker
2 TS gemahlener Zimt

Garnierung:
1 Ei
Hagelzucker

Eine Küchenmaschine erleichtert die Zubereitung natürlich, aber man kan den Teig auch mit einem Kochlöffel abschlagen. Ich ziehe die weniger anstrengende Variante vor und bereite den Teig in der Maschine zu.

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In schwedischen Rezepten sind die Mengenangaben meist in DL (Deziliter), MS (Matsked) und TS (Tesked) angegeben, wobei DL 100 ml, MS 15 ml und TS 5 ml entsprechen. Wenn ihr also keinen typisch schwedischen Måttsats (Messlöffelset) daheim habt, könnt ihr euch auch mit einem Messbecher helfen.

Zubereitung:

Zuerst erwärmt ihr die Milch auf ca. 37 Grad und rührt die zimmerwarme Butter ein, damit diese in der warmen Milch schmilzt. Danach zerbröselt ihr einen Würfel Hefe in einer Schüssel und gießt einen kleinen Teil der warmen Milch-Butter-Mischung darüber. Nun rührt ihr alles solange, bis sich die Hefe aufgelöst hat. Jetzt könnt ihr den Rest der Milch-Butter-Mischung dazugeben.

Nach und nach gebt ihr nun den Zucker, das Salz, den gemahlenen Kardamom und das Ei dazu sowie den größten Teil des Mehls. Das ganze wird jetzt entweder mit der Küchenmaschine oder eben mit Muskelkraft und Kochlöffel so lange geschlagen, bis sich der Teig vom Schüsselrand löst und eine glatte, seidige Oberfläche hat.

Nun stellt ihr die Schüssel zugedeckt an einen warmen Ort und lasst den Teig eine Stunde gehen.

Wenn der Teig sein Volumen verdoppelt hat, habt ihr alles richtig gemacht und ihr könnt nun beginnen die Bullar zu formen.

Dafür teilt ihr den Teig in zwei Hälften und arbeitet jede davon gleich aus.
Ihr rollt den Teig gleichmäßig auf einer bemehlten Fläche aus bis ihr eine Rechteck von ca. 20 x 40 cm vor euch liegen habt.
Nun verrührt ihr die zimmerwarme Butter mit dem Zucker und dem Zimt und streicht jeweils die Hälfte davon auf den Teig.

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Für die klassische Form der Kanelbullar (Schneckenform) rollt ihr nun den Teig von der langen Seite her auf und schneidet ca. 2 cm breite Scheiben ab. Diese legt ihr auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech und lasst diese weitere 30 Minuten gehen.

Meine Bullar arbeite ich immer als Knoten (Knutar) aus, weil ich die einfach dekorativer finde. Dafür geht ihr wie folgt vor:

Ihr klappt den ausgerollten und mit Butter-Zucker-Zimt-Mischung bestrichenen Teig einmal der Länge nach zusammen und schneidet ihn in ca. 2 cm breite Streifen. Jeden dieser Streifen dreht ihr nun wie eine Kordel und macht dann mit dem gedrehten Teig einen Knoten. Auch die Knoten lasst ihr natürlich 30 Minuten ruhen.

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Vor der zweiten Gehzeit könnt ihr das Backrohr schon mal auf 225 Grad vorheizen.

Nach der Gehzeit werden die Teiglinge mit aufgeschlagenem Ei bestrichen und mit Hagelzucker bestreut. Anschließend kommen sie für ca. 8-10 Minuten in den Ofen.
Aber Achtung, nicht alle Öfen heizen gleich, daher kann auch die Backzeit etwas variieren. Lieber beim ersten Mal eine kürzere Backzeit wählen und ev. noch ein oder zwei Minuten länger im Ofen lassen.

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Die Kanelbullar sind fertig, wenn sie eine gleichmäßige goldbraune Farbe haben.


Nun müsst ihr nur noch soviel Geduld aufbringen, bis die Kanelbullar auf einem Kuchengitter ausgekühlt sind. Aber ich wette, ihr werdet sie schon lauwarm verkosten, denn der Geruch, der während dem Backen durch die Küche zieht ist einfach unwiederstehlich.

Ich wünsche euch jetzt schon „smaklig måltid“ – guten Appetit – und seid gewarnt, denn es besteht akute Suchtgefahr.

Ha det bra, Conny

Lagom ist Schweden – Schweden ist Lagom

Zugegeben, typisch schwedisch klingt es nicht das Wort LAGOM und doch beschreibt kein anderes Wort die schwedische Mentalität besser. Eine direkte Übersetzung ins Deutsche gibt es nicht. Bei uns würde man nicht zu viel – nicht zu wenig, nicht zu kalt – nicht zu warm, nicht zu groß – nicht zu klein sagen.  Die Schweden sagen einfach „lagom“.

Lagom kann alles sein, das Wetter, die Größe der Fleischbällchen (Köttbullar), die Temperatur des Badesees, die Einrichtung der Wohnung oder die Verkehrslage auf der Autobahn.

Darüber, woher das Wort stammt, ist man sich nicht ganz einig. Wikipedia erklärt das Wort so:
Lagom (gewöhnlich „laghum“ geschrieben) war die frühere Form des Dativs im Plural von lag (Gesetz, rechte Ordnung), wobei dabei auf kein juristisches Gesetz verwiesen werden musste. Die heutige Bedeutung ist eher abgeschwächt und hat neben „gemäß rechter Ordnung“ auch die Bedeutung von „passend“, „weder zu wenig noch zu viel“.
Fragt man in Schweden nach der Herkunft des Wortes, hört man oft von einem Mythos der besagt, das Wort stamme noch aus der Wikingerzeit. Damals soll ein mit Met gefülltes Trinkhorn unter der Mannschaft (auf schwedisch laget) eines Schiffes herumgereicht worden sein. Jeder hat daraus nur so viel getrunken, dass für den Nächsten noch etwas übrig geblieben ist. Das Trinkhorn wurde sozusagen „laget om“ – einmal in der Mannschaft herum – gereicht.
Mir persönlich gefällt die Version mit dem Trinkhorn besser, ich kann es mir so schön bildlich vorstellen:
Eine Horde gestählter, bärtiger Hünen mit stahlblauen Augen sitzt am Strand um ein knisterndes Lagerfeuer, auf dem Wasser schaukelt das Schiff mit dem schlanken Holzrumpf und das mit Met gefüllte Trinkhorn wird von einem zum anderen gereicht.

Aber Lagerfeuerromantik beiseite, die Geschichte mit dem Trinkhorn erklärt für mich viel klarer den wichtigsten Gedanken hinter dem Wort LAGOM:

Ich nehme mir soviel, dass es für mich reicht, denke aber auch an die Bedürfnisse meines Nächsten.
Wenn ihr lagom einkauft, dann reduziert ihr den Konsum auf das was ihr wirklich braucht und was ihr aufessen könnt. Ihr verschwendet weder Lebensmittel noch andere Ressourcen und wählt bewusst nachhaltige und regionale Produkte.
Wenn ihr euch lagom ernährt, dann esst ihr ausgewogen und gesund. Ihr kasteit euch nicht oder haltet Diät und gönnt euch auch mal eine kleine leckere Sünde.
Wenn ihr lagom arbeitet, dann versucht ihr stressfrei aber trotzdem produktiv zu arbeiten. Ihr nehmt euch Zeit für Familie, Hobby und Freunde und werdet nicht zum Sklaven eurer Arbeit.
Und wenn ihr euch lagom einrichtet, dann wohnt ihr in einer entspannten, luftigen Atmosphäre mit klaren Linien, hellen Farben und Dekoelementen aus Holz und anderen Naturmaterialien.
Ist das in unserer heutigen  Zeit nicht eine erstrebenswerte Lebenseinstellung?
In diesem Blog möchte ich euch in Zukunft mehr über die Schweden erzählen. Über ihre Liebe zur Natur, über die einzigartigen Landschaften hoch oben im Norden, über liebevoll gepflegte Traditionen, geschmackvoll in Szene gesetzte Dekodetails und auch das ein oder andere meiner schwedischen Lieblingsrezepte werde ich euch verraten.
Bis dahin versucht ein wenig schwedische Leichtigkeit in euren Alltag einfließen zu lassen, denn wie heißt es in einem Sprichwort so treffend:
LAGOM ÄR BÄST! (WENIGER IST MEHR!)

Ha det bra (macht’s gut)

 

Conny