Wie kann etwas Winziges so satt machen?

Übersetzt man den Namen des klassischen schwedischen Gerichtes Pytt i Panna auf deutsch heißt es „winzig in der Pfanne“. Spätestens nach den ersten Bissen dieses köstlichen Resteessens merkt man, dass dieses Gericht mit winzig recht wenig zu tun hat. Im Gegenteil, Pytt i Panna ist eigentlich ziemlich deftig und sättigend. Aber eben auch unheimlich lecker.

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Zugegeben, wenn man die Zutatenliste liest könnte man meinen es handelt sich um ein typisch österreichisches Tiroler Gröstl. Aber das besondere beim Pytt ist eben genau die Winzigkeit. Im Gegensatz zum Gröstl werden die Zutaten für ein Pytt i Panna in „winzig“ kleine Würfel geschnitten.

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Das dauert zwar in der Zubereitung etwas länger, aber für mich macht genau dieses Kleingeschnittene den besonderen Geschmack aus.

In ein Pytt gehören neben Zwiebeln auf jeden Fall Kartoffeln. Ihr könnt vom Vortag übrige Salzkartoffeln nehmen, immerhin ist Pytt i Panna ja ein Resteessen oder aber auch rohe Kartoffel. Beim Fleisch ist so ziemlich alles erlaubt. Klassisch wird das Pytt i Panna mit Rindfleisch zubereitet (Oxpytt – Ochsenpytt), es gibt aber auch Varianten mit Selchfleisch, Wurstresten oder mit Hühnerfleisch. Sogar eine fleischlose Variante gibt es (grönsakspytt – Gemüsepytt).

Ich verwende gerne Selchfleisch, weil das schon viel Geschmack mitbringt und man dann nicht mehr soviel würzen muss.

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Die Zubereitung ist wirklich simpel. Nachdem ihr die Zwiebel, Kartoffeln und das Fleisch klein würfelig geschnitten habt, bratet ihr alles zusammen in etwas Butter in einer Pfanne an bis die Kartoffeln schön knusprig sind. Und schon ist es fertig das Pytt i Panna.

Serviert wird es traditionell mit in Scheiben geschnittenen, eingelegten Roten Rüben und einem Spiegelei. Nachdem wir immer schwedisches Bier aus dem Urlaub mitbringen, gibt es bei uns diesmal eine Bier aus der nordschwedischen Region Höga Kusten.

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Bleibt mir nur noch euch smaklig måltid (guten Appetit) und skål (Prost) zu wünschen.

Ha det bra, Conny

 

 

Mein schwedisches Gartenzimmer

Kennt ihr auch diese Projekte die manchmal Jahre brauchen bis sie verwirklicht werden? Ihr habt es eigentlich schon lange fix fertig im Kopf, wisst genau wie es aussehen soll, aber immer wieder kommt euch der Alltag dazwischen. Viel zu viele Dinge von denen man selber glaubt, dass sie so wichtig sind und man deswegen die eigenen Herzensprojekte in den Hintergrund drängt. „Na dann mach ich das eben ein anderes Mal!“

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Genau so ging es mir mit meinem Gewächshaus. Ich träumte immer von einem richtigen Gartenzimmer, einem gemütlichen Raum in dem ich im Frühjahr oder im Herbst, wenn die Sonne angenehm warm durch die Glasscheiben strahlt, mit einer Tasse Kaffee und einem guten Buch sitzen kann und trotzdem das Gefühl habe ich sitze mitten im Grünen. Als ich mir vor einigen Jahren dann endlich diesen lang gehegten Traum erfüllt habe, benutzte ich das Gewächshaus erst einmal nur für die Anzucht von Pflanzen. In den heißen Sommermonaten, diente es als Aufbewahrungsplatz für die Auflagen der Gartenmöbel und während der Wintermonate als Stauraum für all die Gartengeräte, Pflanzkübel und Utensilien, für die im Haus kein Platz war. Ich muss gestehen es gab Zeiten, da sah es eher aus wie eine Rumpelkammer. Weit entfernt von dem Wohlfühlort, den ich mir immer erträumt hatte.

IMG_4497Dann fiel mir eine Ausgabe der schwedischen Wohn- und Gartenzeitschrift Drömhem & Trädgård in die Hände. Darin war eine Reportage über ein Gewächshaus, das von seinen Besitzern liebevoll in ein gemütliches Gartenzimmer verwandelt wurde. Es diente nicht nur als Gartenarbeitsraum sondern auch als Ort für diverse andere kreative Arbeiten, als Rückzugsort und als Lesezimmer.

Ich war begeistert! Und mit einem Mal war er wieder da mein Traum vom Gartenzimmer. Alles im Leben hat seine Zeit! Und diesen Frühsommer kam die Zeit für mein „Gartenzimmer-Projekt“.

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Die alten Tische, die bisher als Arbeitstische und Abstellflächen genutzt wurden flogen auf den Sperrmüll und ein Pflanztisch mit verzinkter Arbeitsplatte durfte stattdessen einziehen. Alles was an Kleinutensilien für die Anzucht von Jungpflanzen nötig ist findet in der geräumigen Lade des Tisches Platz. Kleine Anzuchttöpfe, Dekomaterial das ich von meinen Streifzügen durch den Wald mitbringe sowie Gefäße für Schnittblumen werden in den schlichten Holzkisten Knagglig vom bekannte schwedischen Möbelhaus verstaut.

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Zwei alte Ladenkästchen die eigentlich schon für den Sperrmüll vorgesehen waren bekamen einen weißen Anstrich sowie neue Griffe und schon strahlen sie eine skandinavische Leichtigkeit aus. In den Laden ist viel Stauraum für Kerzen, Bänder und alles was ich sonst für Dekoarbeiten brauche.

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IMG_4495Auch die geräumige Munitionskiste vom Flohmarkt hat durch den weißen Anstrich ihr militärisch strenges Aussehen verloren und passt nun perfekt ins Bild. In ihr hat alles Platz was groß und sperrig ist und mit einer hübschen Auflage oder einem Fell lädt sie zum genießen und Verweilen ein.

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Rechtzeitig zu Beginn der kühleren Jahreszeit ist es nun fertig geworden, mein schwedisches Gartenzimmer. Ein paar Urlaubserinnerungen und schwedische Gartenbilder machen es jetzt endlich zu meinem ganz persönlichen Wohlfühlort. Hier kann ich über zukünftige Gartenprojekte nachdenken, Blumensträuße oder Kränzen binden oder einfach nur mit einer Tasse Kaffee und einem guten Buch ein wenig die Zeit vergessen.

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Gerade jetzt an schon etwas kühlen Herbstabenden gibt es nichts Romantischeres als gemeinsam mit meinem Lebensmensch ein Glas Wein im schwedischen Gartenzimmer zu genießen. Die Kerzen geben nicht nur warmes Licht sondern wärmen auch den Raum rasch auf. Und wenn ein stürmischer Herbstwind bläst, dann schließen wir einfach die Türe und lauschen den Blättern wenn sie von den Bäumen auf das Glasdach fallen.

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Ich hoffe der kleine Ausflug in mein schwedisches Gartenzimmer hat euch gefallen. Und vielleicht konnte ich euch ein wenig dazu inspirieren, ein schon lange aufgeschobenes Herzensprojekt von euch zu verwirklichen. Nehmt euch die Zeit dafür, lasst nicht den Alltag und die Gesellschaft euer Leben bestimmen, bestimmt selber darüber. Schließlich ist es euer Leben. Und damit es „lagom“ wird braucht es die richtige Balance zwischen Alltagspflichten und Herzensprojekten.

 

Ha det bra, Conny